Zum Priester berufen

Thomas Steinberger ist katholischer Pfarrer. Vor zehn Jahren wurde er im Dom zu Passau zum Priester geweiht. Ein Leben zwischen Fülle und Verzicht.

Pfarrer zu werden, das war für Thomas Steinberger schon immer eine Option. Eine Option allerdings, die nicht gerade in greifbarer Nähe lag. Der 37-Jährige ist 1983 in Altötting geboren und auf einem kleinen Bauernhof in Perach aufgewachsen. Eine „ganz normale Kindheit“ verbrachte er dort, mit Fußball, Schule und Blaskapelle. Der Bezug zur Kirche war immer da. Sonntags zur Messe, ministrieren, vor dem Essen beten, wallfahren – das war selbstverständlich im Hause Steinberger.

Nach dem Hauptschulabschluss folgte eine Ausbildung zum Chemikanten bei Wacker in Burghausen. Während dieser Zeit wurde das Interesse am Glauben und an Glaubensfragen bei dem damals 15-Jährigen immer stärker. „Das Thema hat mich einfach beschäftigt“, erklärt Thomas Steinberger. Hinzu kam, dass ein ehemaliger Schulfreund den Beruf Priester anstrebte. „Wir haben uns gegenseitig bestärkt“, erinnert er sich.

„Ich wollte einen Beruf mit direktem Bezug zum Leben der Menschen.“

Die Zeit bei Wacker war für Thomas Steinberger ein Wendepunkt. „Ich hätte mir nicht vorstellen können, nach der Ausbildung dort zu bleiben“, erzählt er. „Für mich ist das eine ganz eigene Welt, die mit dem konkreten alltäglichen Leben ‚draußen’ kaum etwas zu tun hat. Ich wollte einen Beruf mit direktem Bezug zum Leben der Menschen.“ Wenn er mit seinen damaligen Kollegen über seinen Glauben redete, kam oft auch Ablehnung. „Aber das hat mich eher ermutigt“, so Pfarrer Steinberger. Er wollte den Menschen den Glauben wieder nahezubringen.

Nach abgeschlossener Ausbildung holte Thomas Steinberger sein Abitur auf der Berufsoberschule (BOS) in Altötting nach. „Die Zeit war sehr intensiv. Einerseits hab ich noch mein ganz normales Leben geführt, mit Freunden, Fußball und weggehen. Andererseits war ich überzeugt davon, Priester zu werden“, erinnert er sich. Freistunden oder die Zeit vor dem Unterricht nutzte er oft, um zur Gnadenkapelle zu gehen. Für ihn war klar: „Wenn ich die BOS schaffen werde, dann probier ich das.“ Als er seine Eltern ernsthaft über seine Pläne informierte, waren sie ziemlich überrascht. „Es hat schon erst sacken müssen“, schmunzelt er.

Zehn Jahre bis zur eigenen Pfarrei

Bis Thomas Steinberger letztendlich dort angekommen ist, wo er heute steht – in den Pfarreien Emmerting und Mehring, nur knapp 20 Kilometer von seiner Heimat entfernt – vergehen fast zehn Jahre. Nach dem Abitur beginnt er 2005 mit dem Theologie-Studium in Passau. Gleichzeitig lebt er im Priester-Seminar, wo er mit fünf Kurskollegen und weiteren Priesteranwärtern aus anderen Jahrgängen zusammenwohnt. Neben dem Studium geht es um die Einübung des geistigen Lebens und die Aufgaben im kirchlichem Alltag, um Gebet und freundschaftliches Miteinander. „Eine sehr intensive Zeit“, meint er rückblickend. Nach fünf Jahren Studium folgt der Pastoralkurs, wo Steinberger ein Jahr als Diakon in der Pfarrei Obernzell ist.

2011 wird Thomas Steinberger im Dom zu Passau zum Priester geweiht. Danach ist er drei Jahre als Kaplan in Hutthurm und ein weiteres Jahr in Ruhstorf. „Als Kaplan ist man einem anderen Pfarrer unterstellt und trägt noch keine Alleinverantwortung“, erklärt er. Nebenbei macht er eine pädagogische Ausbildung, um an Schulen Religion unterrichten zu können. 2015 wird der Pfarrverband Emmerting-Mehring frei, Steinberger bewirbt sich und bekommt schließlich den Zuschlag. „Ich hätte nicht gedacht, so nah an die Heimat zu kommen“, erzählt er.

Spagat zwischen zwei Welten

Manchmal ist seine Arbeit wie ein Spagat zwischen zwei Welten: „Einerseits beschäftige ich mich mit Dingen, die über das Leben hinausragen. Andererseits bin ich mitten im Leben“, sagt er. Von Anfang bis Ende ist er in allen Bereichen des Lebens eingebunden. „Genau das ist auch das Besondere und genau hier sehe ich meinen Platz“, betont er. Zölibatär zu leben ist für ihn Anspruch und Erleichterung zugleich. Das Gefühl, einsam zu sein, hat er nicht. Dafür bleibt oft auch keine Zeit.

Seinen Tag beginnt er um sechs Uhr morgens mit einem Gebet. Um acht Uhr hält er Gottesdienst. Zweimal die Woche unterrichtet er Katholische Religion an der Grundschule. Ansonsten gibt es etliche Termine, um Dinge zu besprechen und zu planen – von Verwaltungsangelegenheiten im Pfarrbüro oder im Kindergarten über Kirchenfeste bis hin zu Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen. „Es gibt Wochen, in denen ich vor 22 Uhr nicht heimkomme“, erzählt er. Trotzdem kann er sich heute keinen anderen Beruf vorstellen.

Für ihn ist der Glaube eine Bereicherung fürs Leben, den er an die Menschen und vor allem an die Kinder weitergeben will. „Das ist in der heutigen Zeit umso bedeutsamer. Es kommt auf den gelebten Glauben an, um andere zu motivieren“, ist sich der junge Pfarrer sicher.

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